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Für die Erstellung des Interaktiven Rohstoff
Informations Systems iris ("Metallogenetische
Karte Österreichs") war eine umfangreiche
Rohstoffinventur nötig. Im Zuge der sorgfältigen
Dokumentation von über 3000 Rohstoffvorkommen
im Bundesgebiet konnten auch eine Reihe von
Hoffnungsgebieten identifiziert werden. Die
Analyse der Verbreitung von Lagerstätten
und des Lagerstätteninhaltes der Ostalpen
gibt aber auch Antworten auf die Fragen, warum
vor allem bestimmte Großlagerstätten
in Österreich nicht erwartet werden dürfen.
Österreich ist reich an armen Lagerstätten
....
Das oftmals verwendete Sprichwort: "Österreich
ist reich an armen Lagerstätten" ist
auch geologisch erklärbar. Weltwirtschaftlich
bedeutende Großlagerstätten von Eisen,
Blei, Zink, Kupfer oder Gold befinden sich in
erster Linie in den ältesten Krustenteilen
der Erde (Südafrika, Australien, Nordamerika),
weil nur in diesem ältesten Zeitabschnitt
der Entstehungsgeschichte der Erde die geeigneten
Bildungsbedingungen für diese Metallanreicherungen
geherrscht haben. In den jüngeren Gebirgen,
wie z.B. den Ostalpen sind demgegenüber
lediglich kleinräumige und zerstückelte
Erzvorkommen entwickelt, weil durch gebirgsbildende
Vorgänge in vielen Fällen ungünstigere
Rahmenbedingungen für die Bildung von Großlagerstätten
bestanden.
Dennoch ist die Existenz weltwirtschaftlich
bedeutender Erzvorkommen auch in Österreich
nicht völlig ausgeschlossen. Kaum bekannt
ist beispielsweise die Tatsache, dass Österreich
über eine der größten Wolframerzlagerstätten
der westlichen Welt verfügt.
Eisen
Der österreichische Bedarf an Eisenerzen kann vom einzigen Eisenerzbergbau
(Steirischer Erzberg) nicht abgedeckt werden. Mit einem Eisengehalt von
ca. 25-30% handelt es sich darüberhinaus um arme Erze.
Die weltwirtschaftlich bedeutenden präkambrischen Eisenerzlagerstätten,
wie sie vor allem in Brasilien (Minas Gerais) oder Südafrika (Sishen)
bestehen, zeichnen sich durch gigantische Lagerstättenvorräte
sowie hohen Eisengehalte von bis zu 60% aus. Solche Riesenlagerstätten
(Giants) sind aus geologischen Gründen im Alpenraum nicht zu erwarten.
Obwohl in den verschiedenen geologischen Einheiten
eine Vielzahl von Eisenerzvorkommen bekannt
sind, dürfen alle aufgrund ihrer geringen
Lagerstättensubstanz und der unzureichenden
Metallgehalte nicht als Eisenressource angesehen
werden.
Stahlveredler (Chrom, Nickel,
Kobalt, Mangan, Molybdän, Titan, Vanadium,
Wolfram):
Die Wolframerzlagerstätte von Mittersill im Felbertal (Salzburg) zählt
zu den größten Vorkommen der westlichen Welt. Österreich
rangiert nach der VR China an zweiter Stelle der Weltproduktion an diesem
wichtigen Stahlveredlermetall. In den vergangenen Jahren wurde in den
Ostalpen intensiv nach weiteren Wolframerzlagerstätten gesucht.
Obwohl zahlreiche kleine Vorkommen lokalisiert werden konnten, dürfte
die Lagerstätte Mittersill in Ausbildung und Größe jedoch
einmalig sein. Bemerkenswert ist der hohe Gehalt an Molybdän im Wolframerz.
Dieses bei der Verarbeitung des Wolframerzes anfallende Molybdän
wird aber nicht weiter genutzt, da derzeit eine weltweite Überproduktion
an diesem Metall besteht, und das Metall nicht gewinnbringend genutzt
werden kann.
Die Stahlveredlermetalle Chrom, Nickel, Kobalt, Titan und Vanadium sind
weltweit an ultrabasische magmatische Gesteine gebunden. Derartige Gesteine
sind im Alpenraum äußerst selten, sodaß auch nicht mit
dem Auftreten wirtschaftlich bedeutender Vererzungen dieser Metalle gerechnet
werden darf. Vereinzelt auftretende Vorkommen dieser Metalle sind bloß
von wissenschaftlichem Interesse.
Obwohl Manganschiefer im Ostalpenraum weit verbreitet
sind, sind diese aufgrund der geringen Mn-Gehalte
(12-14%) wirtschaftlich uninteressant.
Buntmetalle (Blei,
Zink, Kupfer, Zinn) einschl. der Spezialmetalle Gallium, Germanium, Thallium,
Indium:
Die Blei-Zinkvererzungen von Bleiberg-Kreuth (Kärnten) zählten einst
zu den weltweit durchaus bedeutenden Vorkommen. Die im Vergleich zu anderen
Blei-Zinkvererzungen geringen Metallgehalte, vor allem aber das seit Jahrzehnten
anhaltende niedrige Preisniveau bei Blei und Zink zwangen zur Schliessung
des Bergbaues Mitte der 90er Jahre. Obwohl in den letzten Betriebsjahren
noch bemerkenswerte Lagerstättenteile gefunden werden konnten, erscheint
eine wirtschaftliche Gewinnung derselben völlig unrealistisch. Aus
diesem Grunde kann auch auf die im Zinkerz auftretenden Anreicherungen
an Spezialmetallen (Gallium, Germanium, Thallium und Indium) nicht zurückgegriffen
werden.
Für eine bergwirtschaftliche Bewertung der Blei-Zinkvererzungen nördlich
von Graz sowie jene der Gurktaler Alpen wären kostenaufwendige bergmännische
Untersuchungen notwendig. Ihre wirtschaftliche Bedeutung dürfte jedoch
marginal sein.
Trotz der Vielzahl der ostalpinen Kupfermineralisationen ist ein wirtschaftlicher
Abbau in Österreich unrealistisch. Die größten Vorkommen
im Alpenraum können aufgrund des geringen Metallgehaltes (1,2 bis
1,4% Cu) mit den Großlagerstätten Nordamerikas nicht konkurrieren.
Darüberhinaus müssten die kompliziert aufgebauten Lagerstätten
mittels eines schwer mechanisierbaren, kostenaufwendigen Untertagebergbaus
gewonnen werden. So entsprach die Jahresproduktion des in der Mitte der
70-er Jahre geschlossenen Kupferbergbaus von Mitterberg (Mühlbach
/ Hochkönig) der täglichen Förderleistung eines nordamerikanischen
Grosstagebaues (!).
Wirtschaftlich bedeutende Zinnvererzungen können
im Bundesgebiet aus geologischen Gründen
ausgeschlossen werden.
Sonder- und Leichtmetalle
(Arsen, Antimon, Lithium, Aluminium, Beryllium, Quecksilber, Uran):
Flächig
verbreitete Arsenmineralisationen konnten in den letzten Jahren geochemisch
nachgewiesen werden. Da an solche Arsenmineralisationen vor allem auch
Gold gebunden sein kann, könnten sich hier interessante Perspektiven
ergeben.
Die Antimonvererzungen von Schlaining (Burgenland) zählten einst
aufgrund der Vorräte und der Erzqualität zu den weltwirtschaftlich
bedeutenden Lagerstätten. Die Lagerstätten von Schlaining gelten
heute als ausgeerzt. Auch eine intensive Lagerstättensuche zu Beginn
der 90-er Jahre mit modernsten Methoden erbrachte keine Hinweise auf weitere
wirtschaftlich interessante Lagerstättenteile. Als Hoffnungsbereich
könnten jedoch die Antimonvererzungen in der Kreuzeckgruppe bezeichnet
werden.
Quecksilbererzvorkommen im alpinen Raum sind lediglich von wissenschaftlichem
Interesse.
Die in den 80-er Jahren entdeckten Vorkommen an Lithiumerz auf der Weinebene
/ Koralpe (Kärnten) mit rund 18 Mio t Vorräten sind international
durchaus bedeutend. Das hohe Li-Angebot am Weltmarkt sowie die im Vergleich
zu den australischen und nordamerikanischen Vorkommen hohen Produktionskosten
würden eine wirtschaftliche Gewinnung derzeit nur schwer zulassen.
Aufgrund ihrer Kleinräumigkeit sind die Bauxitvorkommen der Kalkalpen
sowohl als Aluminiumresource als auch als Zuschlagstoff für die Zementindustrie
wirtschaftlich unbedeutend.
Edelmetalle (Gold, Silber,
Platin, Platinmetalle):
Großlagerstätten von Gold, wie sie
in Südafrika (Witwatersrand) oder Nordamerika
(Kanada, USA) entwickelt sind, dürfen aus
geologischen Gründen in Österreich
nicht erwartet werden. Dennoch waren auch die
in der Vergangenheit in den Tauern genutzten
Lagerstätten einst von enormer wirtschaftlicher
Bedeutung. Obwohl von ausländischen Unternehmen
nach wie vor Interesse an diesen Lagerstätten
bekundet wird, ist auch langfristig eine wirtschaftliche
Nutzung kaum vorstellbar.
Silber fällt weltweit hauptsächlich
bei der Verhüttung von Bleierzen an. Da
in Österreich keine Bleierze verhüttet
werden, wird auch kein Silber gewonnen.
Platinmineralisationen wirtschaftlichen Ausmaßes
sind in Österreich bisher nicht bekannt
geworden. Als mögliche Trägergesteine
kommen bestimmte ultrabasische Gesteinskomplexe
in Frage. Diese sollten systematisch mit Hilfe
moderner analytischer Methoden untersucht werden.
Industrieminerale:
Das wirtschaftlich interessanteste Lagerstättenpotential liegt zweifelsohne
auf dem Sektor der Industrieminerale, wo die betrieblichen Vorräte
z.T. für Generationen gesichert sind.
Bei Salz und Gips erscheinen die verfügbaren Resourcen zur langfristigen
Deckung des heimischen Bedarfes gesichert. Salz ist ein wichtiger Rohstoff
für die Herstellung von Industriechemikalien und Kunststoffen. Lediglich
ein kleiner Anteil wird als Speisesalz verwendet. Gips dient zur Herstellung
von Baustoffen (Gipskartonplatten, Zementerzeugung usw).
Gezielte geologische Untersuchungen sind aber zum Nachweis bzw. zur Sicherung
weiterer hochwertiger Lagerstättenteile angebracht.
Die Chancen für die Entdeckung weiterer Graphitvorkommen stehen nicht
ungünstig. Moderne Abbaumethoden erlauben heute auch die Gewinnung
im umweltschonenden Kleinbergbau.
Die betrieblich gesicherten und geologischen Vorräte von Spatmagnesit
für die Feuerfestindustrie scheinen für die nächsten Generationen
durchaus ausreichend. Die immer höheren Anforderungen an bestimmte
Rohstoffqualitäten zwingen dennoch zur Durchführung gezielter
Sucharbeiten.
Bei den Füll- und Pigmentstoffen (Kaolin, Talk, Leukophyllit, reinweisse
Karbonate, Eisenglimmer) besitzt Österreich Lagerstätten von
Weltrang. Trotz zufriedenstellender Vorratssituation ist auch bei diesen
Rohstoffen die Suche nach bestimmten Qualitäten notwendig.
Weiße, karbonatische Füllstoffe sind keineswegs weit verbreitet,
wie dies irrtümlicherweise oft angenommen wird. Zur Abgrenzung weiterer
Hoffnungsgebiete in den Ostalpen sind systematische Untersuchungen unumgänglich.
Obwohl in den Ostalpen zahlreiche Vorkommen von Eisenglimmer bekannt sind,
sind nur wenige zur Herstellung als Füllstoff für Rostschutzfarben
geeignet. In bestimmten Bereichen des Wald- und Mühlviertels darf
mit dem Auftreten weiterer Kaolinvorkommen gerechnet werden.
Das Lagerstättenpotential an Baryt ist keineswegs unbedeutend, Vorkommen
hochwertiger Qualitäten sind jedoch selten. Der heimische Bedarf
an bestimmten Qualitäten könnte durchaus längerfristig
aus heimischen Lagerstätten abgedeckt werden.
Eine Nutzung der Bentonit Glastuffvorkommen im Steirischen Becken
hängt von weiteren geologischen und materialtechnischen Untersuchungen
ab.
Trotz der weiten Verbreitung von Pegmatiten ist die Nutzung derartiger
Mineralisationen zur Produktion von hochreinem Quarz und Feldspat durch
die in den meisten Fällen geringe Grösse der Lagerstättenkörper
schwer vorstellbar.
Kohlen:
Die Steinkohlenvorkommen der Ostalpen sind aufgrund
ihrer Grösse und Qualität wirtschaftlich
nicht nutzbar. Flächig verbreitete Braunkohlenvorkommen
sind dagegen weit verbreitet. Der Heizwert dieser
Braunkohlen ist jedoch gering, ihr Schwefelgehalt
hoch, sodass ihre Nutzung nur in kalorischen
Kraftwerken mit entsprechenden Rauchgasreinigungsanlagen
erfolgen kann.
Weitere
Auskünfte:
Min. Rat Univ. Doz. Dr. L. WEBER
Montanbehörde
Tel.: 01/374 63 82 8520
Fax: 01/374 63 82 8529 |